Brefflegel, Man greift also lieber zu anderen, weniger deli- 
faten Mitteln, man pfändet die Steuerrü>ständler, nimmt 
dem armen Gewerbsmanne das letzte Bett, schleppt dem 
Yandmanne die“ letzte: Kuh aus dem Stalle 2c., und verkauft 
die lebten Reste des Besitzes . der Armen zu Spottpreisen, 
um — den schon wankenden Kopf no<g kurze Zeit am Rumpfe 
zu erhalten. So wird Kroatien dem volkswirthschaftlichen 
Niedergange, dem Ruine, dem Elende entgegenführt, zur 
größeren Ehre jenex Nation, in deren Bunde wir uns der 
- Wohlthaten konstitutionellen Lebens erfreuen! =- Ob unsere 
Regierung diesem unseren Gedankengange zu folgen im Stande 
ist, wissen wir nicht, ob und was sie in Voraussicht des na- 
menlosen Elendes, unter welhem das ganze Land zusammen- 
zubrechen droht, zu thun gedenkt, ist uns ebenfalls unbekannt, 
und nur Eines wissen wir, daß jeder Mensc<<henfreund, jeder 
Patriot, jeder einsichtsvolle Politiker in dem überhandnehmen- 
den Pauperismus eine ernste Mahnung zur Umkehr, zur 
raschen Umfehr, und die traurigen Folgen jenes Paktes mit 
Ungarn erblift, der unserem Baterlande die Lebensadern 
unterbindet, es einer fremden Nation als Melkkuh überliefert. 
Will die heutige-Regierung die s<were Verantwortung, 
welche sie vor der Nation und der Geschichte auf sich ladet, 
indem sie sich als Büttel einer fremden Negierung gebrauđen 
läßt, von sich abwälzen ist es ihr niht darum zu thun, si< um 
jeden Preis am Ruder zu erhalten, so möge sie, auf 
legalem Wege zwar, aber mit patriotijchem Ernste und aller 
Energie eine Aenderung des gegenwärtigen, unhaltbaren Zu- 
standes herbeiführen, bevor die Steuer - Exekutoren wegen 
Abgang jedweden zu exequirenden Objektes in Disponiblität 
verjezt werden müssen. 
Volitische Aebersicht. 
Mit einem einer besseren Sache würdigen Eifer halten die 
offizidsen Organe, voran die hochoffiziöse „Pol. Kor.“ ihre 
Behauptung aufrecht, der am 28. v. M. statigefundene 
Kronrath habe sich nur mit „laufenden Angelegenheiten unter- 
geordneter Bedeutung beschäftiget'. Wir sind dieje Hartnäckig- 
keit der Offiziösen gewöhnt, denn so lange eine die 
öffentlihe Meinung in Spannung erhaltende Angelegenheit 
nict von den Spaten am Dae gepfiffen wird, insölange 
wird immer lustig darauf losdementirt. Wenn die Offiziösen 
einmal geschwätig werden, so ist es gewiß nur im Interesse 
ihrer Brodgeber. Daß über die Beschlüsse des Kronrathes 
authentis<e Nachrichten nicht vorliegen können, liegt in der 
Natur der Sache. Die Hinfälligkeit der Behauptungen der 
„Bol. Kor." aber haben wir schon in unserer letzten Num- 
mer bewiesen. Bemerkenswerth ist es jedenfalls, daß „Ellenör“, 
vas Organ Tißa's, in einer seiner jängsten Nummern ein 
hoc<offizidses Kommunique veröffentlicht, dem wir entnehmen, 
daß in der Konferenz (Kronrath) eine ausführliche Bespre- 
<ung der auswärtigen Lage stattgefunden hat, daß hinsichtlich 
einey Mobilisirung zwar keine Exekutivmaßregel 
beschlossen wurde, daß jedoch der Standpunkt und die Aktion 
der Monarchie für den- Fall des möglichen Eintrittes einiger 
Eventualitäten nicht ohne vorbereitende Berfügung blieb und 
hinsichtlich eines gewissen Fondes, des Falles und der 
Art seiner Benükung eine vollständige Uebereinstimmung 
zu Strande gebrađht wurde. = 
- Man muß nun eben kein politisches Kir<henlicht sein, um 
unter dieser verhülsten Andeutung den Militärstellver- 
treter-Fond zu witt'vrn, der also im Mebilisirungsfalle 
freilih nur zur. Bestreitung der ersten Kosten herangezogen 
werden soll. Was sind auh 20 Millionen für den Fall 
einer Mobilisirung ! Die „N. fr. Pr." faßt das Resultat 
des Kronrathes in Folgendem zusammen: „Die Mobilisi- 
rung der österreichisch-ungarischen Armee ist bis in das kleinste 
Detail vorbereitet, jebo au&gemadit, daf die Maßregel, als 
eine äußerste, nur im wirklihen Falle einer Bedrohung 
unserer Interessen ergriffen werden solle." Als diesen wirk- 
[iden Fall bezeichnet das genannte turkophile Blatt das Ein- 
rücken russischer Truppen in Serbien! Das ist nun do< wohl 
eine ganz subjective Meinung der „N. fr. Pr.", wir ver- 
- möchten in der Befegung Serbiens dur< russishe Truppen 
eine Bedrohung unserer Interessen nicht zu erblicken. 
Wir haben der neuesten Enünziation Kos- 
juth's, eines an den Führer der behufs Ueberreichung des 
Chrensäbels nac< Konstantinopel abgehenden Studentendepu- 
tation, Julius Lukäcs gerichteten Briefes bereits an hervor- 
 
ZNNZNEESL INI IREN 
 
fünstlerische Leistung, wie wir einer besseren kaum an einer 
der größten Bühnen begegnen könnten. Hexr Stadler that 
jein Möglichstes, um aus dem Geschworenen Perissol = 
nebenbei gesagt, die shwäc<ste und undankbarste - Rolle des 
Stückes = etwas zu machen. =- Das nicht sehr zahlreich 
anwesende, jedoch distingirte Publikum folgte dem Stücke mit 
großer Aufmerksamkeit, bra<hte ihm volles Verständniß ent- 
gegen und belohnte die Darsteller durch wiederholten und 
reichlichen Beifall, sowohl bei Aktschluß, als auc< bei offener 
Szene. A. W. 
PENIS NINO 
Dasalie glavice) 
Von Lina Lewohl. 
9 (Scluß.) 
In dieser Stimmung saß Albert einmal wieder, wie so 
oft, bei Alicen, welcher in ihren Vaterhause eine angenehme 
und unabhängige Stellung eingeräumt war. 
- Sie spielte eben jenes Klavierstü>, welches einst ihre erste 
nähere Bekanntschaft mit Albert vermittelte. Albert konnte es 
nie ohne stürmisc<e Begeisterung anhören, heute aber starrten 
fie seine Bli>e theilnahmslos, fast geiftedabwefend an. 
„An was .denfen Sie ?“ frug sie erschro>en. 
„Daß wir zwei Menschen sind" fuhr Al bert auf, „die 
jic< niemals hätten trennen sollen. Jn unseren beiderseitigen 
Charakteren lag es begründet, daß unser Begegnen entweder 
zu namenloser Seligkeit oder zur elendsten Verzweiflung 
führen mußte“. 
Beide schwiegen erregt. 
„Eines, Eines möchte ih wissen“, brach er endlich mit 
erneuter Heftigkeit aus. 
*) Nac<druF und Meberfesuna verboten. 
 
 
 
 
ragender Stelle des Blattes gedac<t. Wir erwähnen hier 
nur, daß einige in dem Manifeste der Pester Studenten ent- 
haltene Nusdrüce selbst dem. magyarischesten aller Magyaren, 
dem Debreziner ex-Dictator, zu starker Tabak schienen, + so 
3. B. die: unsinnige Phrase, welche die Türken als Hüter 7 
oder Borkämpfer der Zivilisation bezeichnet ! Zmmerhin aber 
meint der Weise von Collegno (al Baraccone), daß der 
große Lärm, welchen dies erregte, niht zur richtigen Beur- 
theilunz ihrer Absichten (der Stadenten) dienen könne. Zum 
Schlusse seines Shreibebrieres sagt Kossuth, indem er sich 
aufden thebanischen Epaminondas hinausspielt : 
„Möge der Schmelz wahrer, reiner Ueberzeugung weder unter 
PeUsührüngen no< Kämpfen getrübt werden“. Gut gebrüllt 
owe ! 
Die Konstantinopler Konferenz hat den 
Bölkern dex Balkanhalbinsel ein Neujarsgescherk von sehr 
„zweifelhaftem Werthe «gemacht, der türkischen Regierung eine 
neue Galgenfrist“ gewährt. Rußland hat seine Nach- 
giebigkeit unb Friedensliebe neuerlich auf's Eklatanteste bewiesen, 
indem es einev Verlängerung des Waffenstill- 
stande bis 1. März seine Zustimmung gab, worauf 
die Konferenz in ihrer am 28. v. M. abgehaltenen Sikung 
die Waffenstillstands8verlängernng sanktionirte. Wir vermögen 
es nicht dieser Verlängerung eines Zustandes des „„Hangens 
und Bangens in sc<hwebeder Pein“ Beifall zu zollen, wir 
hätten vielmehr gewünscht, daß die seit Langem in den am 
politishen Himmel aufgethürmten Wolken herrschende elek- 
trijđe Spannung, die den Ausbrucßg eines Gewitters denn 
do< als unverweidlich erscheinen läßt, schon jezt zur Entla- 
dung gefommen wäre, weil, ganz abgesehen davon, daß durc< 
diese Fristerstre>ung der türkischen und englischen JIntrigue 
wieder für eine geraume Zeit Thür und Thor* geöffnet ist, 
und die Gefahr des Eintrittes einer Disharmonie zwischen 
den Mäcten, ja die Möglichkeit einer Neugruppirung der 
Mächte wieder näher gerückt erscheint, — jede Verlängerung 
des gegenwärtigen Zustandes nur von größtem Nachtheile für 
alle Theile sein muß. 
Journal-Revue. 
„Brimo rac“ bespricht die Enunciation des in Sara erfdhei- 
nenden „Narodni list“ mittelst welher dasselbe seine Stellung ge- 
genüber „Primorac“ und „Obzor“ gekennzeichnet hat: 
-. Wir begrüßen viese Enunciation dalmatinischer Patricten als 
den Vorboten eine3 vollständigen Einverständnisses, als die Hauptbe- 
dingung eines erfolgreichen folidaris<eun Wirkens zur Realifirung des 
nationalen Programms, indem wir uns mit der „Nationalisi- 
rung Dalmatiens und seiner Einverleibung zu Kroa- 
tien“ ganz einverstanden erklären. Andrerseit3 können wir die Vor- 
würfe des „Naco dni list“, denen zufolge die Opposition die „Au- 
toritäten“ leidenschaftlich angreifen und sich in hohlen Deklamationen 
und unzähligen Interpellationen gefalle, nicht rühig hinnehmen. Wir 
verurtheilten nicht den energischen Widerstand des „Narodni list“ 
- gegen die Renegaten der Nationälpartei in Dalmatien und nahmen 
die Danilo's, Ljubi8a'8 2c., als sie den einstigen Glanz ihres Namen3 
durc< Verläugnung ihrer Vergangenheit besudelten, nicht in Schuß. 
Die dalmatinische Nationalpartei hat nicht mit gleichem Maße die 
Fahnenflu<t der Mrazović'3, Mišfatović'3 und Voneina's gemessen, 
obwohl die Sünden eines Danilo, eine8 Ljubiša bor den Gilnden des 
Triumvirats Mrazovic-Mizkatovic-VonEing völlig verschwinden; das 
nationalen Charakter, wenn sie von den Matadoren, von den ehema- 
ligen „Autoritäten“ ausgeübt werden. Die dalmatinischen Patrioten 
mögen wohl erwägen, ob jene Leute noc<h des ehrenden Titels „Auto- i 
vitäten“ würdig sind, welche mit dem Magyaronenthum einen Bund- 
geflo<hten, wel<he die Cardinalforderungen der Nation im Stiche ge- 
lassen, welche außerhalb des Landtages den Parteiumsturz geschürt, 
während sie innerhalb desselben anläßlich der Berathung über die 
Adresse, über die Ausgleichsrevision 2c. wie Marmor geschwiegen und 
mit na>tem Cyni3mus das eigene Renegatenthum befürwortet, welche 
die froatis<he Sache im ungarischen Reichstage preisgegeven, welche 
für Tißa und wider die brüderlichen Slovaken gestimmt , welche die 
Emanzipationsbestrebungen der Natiofltlitčten Ungarns nicht uuter- 
stüßt, welche sich in der Integritätsfrage mehr „rückwärts konzentrirt“, 
als die ausgesprochensten Magyaronen, welche die nationale Bewegung 
aufgehalten, die Ausgleichsverlezungen ruhig eingesteckt uno daš Volk 
in Apathie eingelullt haben! , . Wir Cisvelebitauer, kennen unsere 
Mrazovi6'8, Miskatovie's und VonCina's besser, als ihr Transvelebi- 
tänex ; gerade so, wie ihr eure Ljubi8a's und Danilo's besser kennt, als 
 
 
 
 
bir, Wir anerkennen auch heute noh zi. 
eines Ra6ti, =+ aber nicht die eines Bre 
ne8 Vončina. 
3um Sdlujfe forderi ,Brimovac“ pie daluatinijijeu Ba- 
trioien auf, mit der nationalin Opposition Hand in Hand zu geben 
und sc<lägt zur Feststellung eines einheitli <en Programms“ 
eine öffentliche Zusammenkunft vor. 
Tagesneuigkeiten. 
-- (Zur Besetkung der erledigten Septem: 
virstellen.) Wie dem EN RLS aus Agram ge- 
schrieben wird, soll die Besezung der erledigten vier Septem- 
virstellen schon in den nächsten Tagen vor si< gehen. Man 
Ipridt, dag Dr. Subbotić, Blažić, Šepić und Sek- 
tionsvath Stanfović in Vorschlag gebracht sind: 
= (Ein Exminister als Buchdrucker.) 
Sr. Excellenz Herr Exminister Dr. Jireczek hat die Buc- 
druckerei Skrejsc<hows8ky's an sich gebracht, und wird das Eta- 
blissement selbst betreiben. 
= (Gratulationsfchwindel.) Die Pester Blätter 
neuesten Datums wimmeln von Enunzationen der Minister, 
zu welchen ihnen der anläßlich des Jahreswechse!18 in Szene 
gesebte Gratulationss<windel die erwünschte Veranlassung 
gab. Diejenigen, wel<he hoc<bedeutsame politishe Manifesta- 
tionen erwartet hatten, dur< welche die wichtigsten schweben» 
den Fragen eine Klärung erfahren sollten, werden sehr ent- 
täuscht sein, obwohl viel gesprochen, viel applaudirt wurde. -- 
Biel Geschrei und wenig Wolle, das ist die Signatur der 
Neujahrsreden der ungarischen Minister. 
— (Die Opfer der MaroSaffaire.) Aus 
Semlin wird gemeldet : Drei der auf dem Monitor „Maros“ 
verwundeten Matrosen sind bereits gestorben. Liniensc<hiffs- 
fähnrich Pfusters<hmied wie die übrigen Verwundeten befin- 
den fich auf dem Wege der Besserung. 
Zokales. 
+ (Minister Bedekovic, Abgeordneten- 
Kandidat.) Der „Agramer Presse" zufolge beabsichtigt 
der kroatische Miniyter am königlichen Hoflager si<h um das 
Mandat des oberstädter Wahlbezirkes zu bewerben. == Wir 
haben mit jenen Kreisen, in denen man sich mit einer folden 
Kandidatur beschäftigen könnte, keine Fühlung, haben daher 
auch bis heute von einer solchen nichts vernommen; do< ve- 
zweifeln wir die Nachricht des genannten Blattes durchaus 
nicht. Mögli< ift Alles, nur Eines halten wir für unmög- 
lid), daß die Bürgerschaft der Oberstadt Essek sich ein sol<es 
testimonium paupertatis aušftellen 1nd einer persona gra- 
tissima der Magyaren ihre Stimmen geben könnte. Wahr- 
lic< das fehlte uns no<h, daß wir durc< eine sol<e Vertrauens- 
kundgebung unsere Beveitwilligkeit an den Tag legten, uns 
willig unter da& fandinifde Joc< zu beugen, gänz abgesehen 
davon, daß wir ja aus der Erfahrung nur zu gut wissen, wie 
Minister die Interessen ihrer Wähler vertreten ! — Freilich 
soll man beabsichtigen den Wählern Daumsc<rauben anzyu- 
legen und die Parole auszugeben: „ohne Wahl Bedekovic 
kein Anschluß der Grenzbahn in Essek." =- Nun 
wir hoffen, die oberstädter Bürgerschaft werde Selbstgefühl 
Autöriaäteines Strogmager, 
ŠOVIĆ; eines URištatović, ei- 
 
! genug Befigen, eine folde Pression mit Entschiedenheit, ja mit 
'Magyaronenthum und der Rauchianismus verlieren nicht ihren anti-.' 
Entrüstung zurückzuweisen. Den Ansc<hluß der Grenzbahn in 
Essek zu sordern ist ein Rec<ht, das wir uns nicht erst durch 
Konzessionen zu erwerben nöthig haben. Ein Mandat hatman 
nicht alle-Tage zu vergeben und „kurz ist der Wahn =- ijdie 
Reue lang.“ Das möchten wir unsern Mitbürgern zu 
bedenken geben.. 
= (Agramer Presse.) Es liegt uns die ersie 
Nummer dieses Blattes vor, die wir sowohl ihrem Inhalte nacb, 
als auc< im Punkte der Ausstattung als eine gediegene be- 
zeihnen können. Das Blatt reiht sich würdig ersten Blättern 
der Mefidenzpreffe an und wir beglü>kwünsc<hen die Unter- 
nehmung sowohl, als auch die Redaktion, die beide unsere 
Erwartungen weit übertroffen haben. Wir freuen, uns die 
Interessen unseres Landes dur< ein solhes Blatt vertreten 
zu: sehen, und sind stolz darauf, endlich ein auf der Höhe der 
Zeit stehendes Journal erscheinen zu sehen; hat sich ja dodi 
in unserer Zeit der kulturhistorische Grundsaß herausge- 
bildet, daß die in einem Lande erscheinenden Journale ein treues 
Spiegelbild des herrschenden Kulturzustandes sind, und das 
 
 
„Und was wäre dies ?“'“ hauchte Alice von dem sicht- | 
baren Kampfe in dem Herzen des geliebten Mannes sc<merz- 
lich betroffen. 
Albert bog sich zu ihr nieder und sagte : „Ob Sie un- 
tex den Verhältnissen, welche wir uns in dunkler Verblen- 
dung selbst gestalteten, so sc<wer leiden wie ich ?' , 
Alice fuhr mit einem Sdmerzensfhdrei auf, verhüllte 
für einen Augenbli> ihr Gesicht, ließ aber dann ihre Hand 
sanft niedergleiten und antwortete wehmüthig lächelnd : 
„Nein Albert, es konnte keine Verblendung sein als wir 
schieden, denn es war nur eine von Verlassenheit und Kunst- 
enthusiasmus erzeugte jugendliche Ueberspannung, welche mich 
mit dem BVerklärungsglanze der Liebe umgab. Diese Stim- 
mung verflüchltigte fic bald genug uud es blieb nur die 
Freundschaft, die im Jhnen von dem ersten Momente unserer 
Bekanntschaft weihte und au< bis zum leztem -Athemzuge 
bewahren werde". 
Das Weib, welches ihrer Liebe das ganze Lebensglück 
opferte, leugnete diese nun dem Manne gegenüber, dem jeder 
ihrer Herzs<läge unter tausend Schmerzen zurief : „Dich 
liebe ich einzig und ewig !'' 
Albert seufzte nach diesen Worten tief auf und küßte 
stumm ihre Hände. 
Er sah nicht den Ausdru>, mit welchem Alicens Auge 
auf ihm ruhte, wie sie die Gottheit ihres Lebens, die Kunst 
und die Scukgeister dieses armen Daseins,t ihre guten, ihr 
in's Herz gelegten Grundsätze anrief, sie ausharren zu lassen 
in der heiligen Aufgabe, des Geliebten Lebensbahn zu ebnen, 
zu s<mücer, aber niemals zu verwirren. Jhre Seele betete : 
Mir den Kampf und ihm den Frieden ! 
 
Wie in den Tagen des freiwillig preisgegebenen Glü- | 
>es filzen Alice und Albert oft am alten Klaviere. Vielleicht 
gestand und offenbarte dann die Künstlerin, was die Freundin 
verleugnete. Albert versuchte aber niemals mehr den Scleier 
von dem Herzensgeheimniß Alicens zu ziehen. Schweigend 
leistete ex sich selbst und Alicen den Schwur, welchen sie 
stumm aber dankesinnig annahm, das karge Glü>, welches 
sie ihm gewähren durfte, zu genießen, ohne jemals mehr bc- 
gehren no<h weiter forschen zu wollen. 
Die Zeit shwand dahin, aber die Herzen blieben sich 
„glei<m. So oft Alberts Stirne sich umwölkte, kam er zu 
„Alicen und diese spielte und sang Ruhe und Freudigkeit in - 
sein müdes Herz. Oft ohue nur ein Wort gesprochen zu ha- 
ben trennten sie sic< und reichten einander wie in der Jugend 
innig und liebevoll die Hände. Albert kehrte neu gestärkt 3u 
seinen Pflichten, Alice zu ihrem Klaviere zurüF. In einem 
folden Uugenoliđe entrang sich ihrer Seele einst der Seufzer : 
„DO Gott, ich werde dennoc< glü>li<, aber das mir beschie- 
Dene Glü> ist ein so großes und heiliges, daß id es nie 
ohne Thränen genießen kann". 
* 
* * 
Der Künstle vin stehen die prächtigsten Flügel zu 
Verfügung, das alte, nun auch endlich verstimmte und s<hwach 
gewordene Klavier ist nur dex Altar, wo das Weib immex 
und immer wieder ihrer Liebe opfert. Alice ist nun gänzlich 
einsam, denn Albert, der bedeutend älter als sie war, hatte 
bereit8 den nimmergestörten Frieden gefunden. Sie konnte dem 
Abgott ihres Lebens ni<t mehr Freude und Glü> bereiten 
und wäre in ihrem wahnsinnigen Schmerze verloren gewesen, 
hätte: sie nicht ihr Klavierspiel gehabt. 
Von jeder Kunst läßt sic< sagen, was Börne speziell 
von jener des Dichters sagt : „Sie gewährt uns, was die 
Natur versagt : eine goldene Zeit, die nicht rostet, einen Früh- 
ling der nicht abblüht, wolfenloses Glü> und ewige Jugend.“ 
Ende. 
enten ze emerge m num mee 
 
 
ičininakv širio rigo zone RIEOROIOAANA ZANA SN E 1